7. Oktober 2005

[Bakonysarkany] Er zeichnet nicht, er flüchtet. Zehn... zwanzig... dreißig Meter... das gibt´s doch ni... eben! Er stockt... fällt... liegt... reglos... auf der Einschußseite.

Es ist so schnell gegangen, dass ich es noch nicht begreife. Gerade hab ich die Kanzel erklommen und einen Blick in die Runde geworfen. Die wellenförmige Bewegung im fahlen Oktobergras sehe ich aus dem Augenwinkel. Ich greife zum Glas.

Ein Schaufler? Ja. Er bewegt sich unbeholfen auf den Mais zu. 200 Meter. Er scheint einen Lauf zu schonen... ja, er hat den rechten Vorderlauf angehoben und knickt bei jedem Schritt ein. Ist er angefahren, ist er angeschossen worden?

Ich nehme ihn ins Visier. Als er auf 140 Meter breit steht, bricht der Schuss.

Kammertreffer. Damwild ist schußhart, heißt es. Der Damhirsch, den ich vor bald drei Jahren im Abendschnee auf der Pirsch mit Peter erlegt habe - angestrichen an der Leiter des Hochstands, da ich ihn beim Aufbaumen verprellt hätte - auch er ist mit einem Herzschuß etwa achtzig Meter gegangen.

Und er hatte ein weitaus attraktiveres Geweih als dieser. Die Schaufeln stehen ungewöhnlich eng, sind krass asymmetrisch und alles andere als punkteträchtig.

Der Trophäe wegen habe ich ihn nicht erlegt, sondern weil er verletzt schien. Eine frische Wunde ist nicht zu erkennen. Er muß den rechten Vorderlauf schon lange geschont haben. Seine Schalen sind mangels Gebrauch doppelt so lang geworden wie die an den gesunden Läufen.

Dieses Wochenende bin ich allein im Revier. Fred hat Termine und Peter ist in den Niederlanden, um einen Traktor zu kaufen. Ein reifer Rothirsch ist mein Ziel.

Peter hat mir vorgeschlagen, im Norden des Reviers anzusitzen. Ich bin seinem Rat gefolgt, habe die nördlichen Felder aber frisch gegrubbert vorgefunden. So bin ich zum Ilderwald gefahren und sofort von dem seltenen Anlauf überrascht worden: Dieter jagt seit über zehn Jahren in Bakonysarkany und hat hier noch keinen Schaufler erlegt, auch Fred nicht.

Zwei brave Böcke, einige Geißen, Kitze und Kahlwild sehe ich am Samstag.

Am Sonntagmorgen gegen 0645 schreckt ein Bock im Meer der Sonnenblumen. Etwas später vernehme ich ein Schnauben in der Hecke. Hocherhobenen Hauptes trabt ein Jüngling heraus. Zehn Enden, korbförmiges Geweih, Winterdecke.

Er verhofft. Steht breit. Dann taucht er in den Maisstreifen, der vor dem Staatswald liegt. Ich folge ihm mit dem Zielfernrohr. Bevor er austritt, sichert er erneut. Dann schiebt er sich langsam heraus. Steht wieder breit. 100 Meter.

Virtuell erlege ich ihn dreimal, bis er einzieht.

Dass er mir, reif geworden, in einigen Jahren wieder kommt, ist höchst unwahrscheinlich. Was soll´s! Artemis war, ist und bleibt mir hold. Hoffe ich.


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