10. 10. 2008   Der Elch  
       

Hotel Victoria, unsere Unterkunft in Pärnu. Die Stadt hat rund 50.000 Einwohner und gilt als beliebtester Ferienort des Landes. In der Altstadt gibt es zahlreiche Kirchen und Bauten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.

Niedrige Holz- und Steinhäuser mit Läden und Gaststätten säumen die autofreie Hauptstraße.

Hinter dem Kurpark liegt die hufeisenförmige Bucht von Pärnu mit weiten, schneeweißen Sandstränden.

Auf Ansitz, Pirsch und Drückjagd waren wir 20 bis 30 Kilometer außerhalb der Stadt, im Umfeld von Kihlepa.

Georg hatte schon beim ersten Morgenansitz Weidmannsheil.

Jägersprache
Rifle Information Page
Trophäenbewertung
OÖ Jagdverband

HOME  COME IN
GARDEN  ARTICLES
 

Im Vorjahr waren Georg, Hennig und ich bei der Jagd auf den Elch leer ausgegangen. Jetzt stoßen wir mit Vater und Sohn Berger aus Baden-Württemberg auf unseren zweiten Versuch an. Wir sind gut gelaunt. Der Komfort unserer Unterkunft und die Qualität der Speisekarte hat uns positiv überrascht. Wir hoffen, diesmal erfolgreich zu sein.

Für Georg erfüllt sich diese Erwartung schon am nächsten morgen: auf einem Rapsfeld erlegt er einen Stangenelch. Am zweiten Tag streckt Berger junior einen jungen Bullen auf der Pirsch.

Wir anderen haben bis dahin nur Rehe gesehen. Auch am Donnerstag bleiben wir ohne Anblick. Noch zwei Jagdtage. Unser guide schlägt für Freitag eine Pirsch in einem anderen Revierteil vor. Natürlich nehmen wir an.

Pirsch? Im Morgengrauen prescht Janos mit dem Jeep die Schneisen entlang, die das riesige Waldgebiet in große Gevierte schneiden. Er schaut nach links, ich nach rechts. Von Zeit zu Zeit bleibt er stehen, wir steigen aus, er lockt, nichts rührt sich und schon sitzen wir wieder im Wagen und sausen zum nächsten Haltepunkt.

Ich hasse die Autopirsch. Ich habe mir geschworen, mich auf diese Art der Jagd nie mehr einzulassen. Nun kann ich wieder nicht aus. Während ich mißlaunig auf meiner Seite Ausschau halte, wischt die Silhouette eines Elchs in einer Senke mit tausend Birkenstämmchen an mir vorüber. Ich stoße Janos mit dem Ellbogen an.

Er stoppt, legt den Rückwärtsgang ein, hält hinter einem Strauch, wir steigen aus und lugen nach dem Stück. Auf zirka 60 Meter ist im Gestrüpp noch ein dunkelgrauer Fleck zu sehen. Der Elch zieht. "A big male! Shoot! Shoot!" zischt Janos.

Ein Schuss ins Gesträuch? "Shoot!" OK.

Der Elch scheint zu zeichnen, aber verschwindet im Unterholz. Das Dickicht ist stellenweise undurchdringlich. Wir finden ihn nicht. Janos will am Nachmittag mit einer Laika nachsuchen.

Am nächsten und letzten Tag ist eine Treibjagd angesetzt. Es nieselt fast den ganzen Tag. In einer Hütte, gebaut wie ein hölzernes Tipi, braten wir uns auf offenem Feuer eine Wurst.

Am Abend liegen lediglich ein Tier und ein Kalb auf der Strecke. Aber nicht wir sind die Schützen, sondern estnische Jäger. Von Janos keine Nachricht. Später heißt es: die Nachsuche war vergeblich.

Am Flughafen treffen wir zwei Gruppen deutscher Jäger, die bei einem anderen Veranstalter gebucht und nicht weit von unserem Gebiet gejagt haben. Die einen haben zu fünft sechs Elche, die anderen zu sechst neun Elche erlegt, zum Teil kapitale Schaufler. Wir zu fünft zwei Stangenelche...

Am Montag erhalte ich ein Mail des Jagdvermittlers:

"Bei Schnepfenjagd der Einheimischen wurde das verendete Stück gefunden. Soweit ich am Telefon verstand, handelt es sich um einen Bullen 2x2."

Die Kugel sei knapp unter dem Rückgrat gesessen. Der Elch sei noch über einen Kilometer gegangen.

Meine Freude hält sich in Grenzen.

 

Horrido!