26. und 27. September 2003

[Aka] Noch kann ich die großen dunklen Schatten sehen, die etwa zweihundert Meter entfernt Stück für Stück aus der Dickung ziehen, die schmale Fläche queren und sich im Mais aufzulösen scheinen. Zum Ansprechen des Rotwilds freilich ist es schon zu dunkel. Ich setze das Fernglas ab, esse mein Sandwich und nehme dazu Wasser aus der Flasche. Die Nacht ist sternenklar, die Sicht dennoch miserabel, weil der Mond unter dem Horizont bleibt.

Trotz aller Vorsicht knackt und raschelt es, als ich die mitgebrachten Decken auf dem Boden des Hochsitzes ausbreite und den Schlafsack aus der Hülle ziehe. Die Schuhe stelle ich neben die Büchse. In Kopfhöhe packe ich den Wetterfleck gegen die Bretter, um mich vor Zug zu schützen. Dann ziehe ich den Reißverschluss in Zeitlupe zu und strecke mich behaglich aus. Peter hat die neuen Plattformen für meinen Geschmack zu groß angetragen, nun wird mir genau das zum Vorteil.

Ich schlafe ausgezeichnet, obwohl ich mehrmals aufwache. Laut rufend teilen die Hirsche einander Position, Rang und Absicht mit. Suchende Hirsche sind nicht zu hören, nur der Ruf "Hirsch beim Rudel" ertönt von allen Seiten. Ich lerne fünf Hirsche unterscheiden und verfolge ihre Bewegung im Gelände an ihrem Ruf. Am nächsten sind mir zwei Hirsche in südlicher Richtung. Der jüngere meldet öfter von links und setzt immer wieder den Sprengruf ein. Der ältere hält sich lange in gerader Richtung vor mir auf und grollt meist nur warnend zurück. Im Dorf Aka kläffen die Hunde.

Der mit Sternen übersäte Himmel dreht sich entgegen dem Uhrzeiger um den Nordstern. Es ist lange her, dass ich dieses Schauspiel eine Nacht lang verfolgt habe. An der Stellung des Großen Bären schätze ich die Uhrzeit.

Gegen fünf Uhr morgens zieht der ältere Hirsch nach Osten ins Nachbarrevier. So angestrengt ich durchs Dunkel nach ihm Ausschau halte, er vergönnt mir seinen Anblick und den seines Rudels nicht. Ab sechs Uhr sind nur mehr wenige, immer weiter entfernte Rufe zu hören. In der Dämmerung suche ich das Maisfeld unermüdlich nach allen Richtungen ab. Vergeblich. Als es hell wird, sehe ich einige Rehe heranbummeln. Ein Geräusch läßt mich nach links blicken. Auf dem etwa achtzig Meter entfernten Grasstreifen unterhalb des Maisfelds ist ein Tier aufgetaucht und verhofft. Ein zweites folgt, ein drittes. Schließlich zieht ein achtköpfiges Rudel im Troll an mir vorüber. Ohne Hirsch.

Das Rudel verschwindet im Mais. Nach einigen Minuten treten sechs Stück wieder aus und ziehen bei dem vertrauten, zweihundert Meter entfernten Wechsel in die Dickung ein. Ich entschließe mich zu einem Hegeabschuß und nehme das kleinere Kalb ins Visier. - Nach einigen Minuten taucht das Kahlwild jenseits der Dickung wieder auf: eins -- zwei --- drei ----- mit Abstand das vierte. Schließlich erscheint das fünfte, das führende Tier. Es verhofft immer wieder nach einigen Schritten und äugt zurück. Zögernd zieht es den anderen, längst verschwundenen Stücken nach.

Kein Schweiß am Anschuss. Fast eine Stunde irre ich im Labyrinth des Wechsels herum, bis ich das Wildkalb finde. Es liegt keine zwanzig Meter vom Anschuss entfernt unter einem Strauch, der Schuss sitzt im Herzen. Ich schalte das Handy ein und rufe Peter an.

Während ich das Kalb aufbreche, frage ich Peter, wer den Eissprosszehner erlegt hat, dessen Haupt ich gestern abend fachgerecht eingewässert erstaunt vor dem Kühlraum vorgefunden habe. "Der Hirsch, auf den ich letzten Sonntag von hier aus geschossen habe, hatte ein ganz ähnliches Geweih." Ich war der Meinung gewesen, gut abgekommen zu sein. Der Hirsch hatte gezeichnet, war aber im Mais verschwunden. Weder Fred noch ich hatten Schweiß gefunden, unsere Nachsuche war erfolglos geblieben. Stark verunsichert war ich heimgekehrt. Bevor ich gestern Richtung Aka aufgebrochen war, hatte ich daher einen Probeschuss abgegeben, zu meiner Beruhigung auf Punkt.

Nun erzählt Peter, dass ein Jäger aus Aka die Szene am Sonntag beobachtet hat. Er hat meinen Schuss und den Kugelschlag gehört, dann Rufe in deutscher Sprache, als ich Fred zum Anschuss eingewiesen habe (207 Meter laut Entfernungsmesser). Der Hirsch hatte - trotz Kammerschuss - zwei Dickungen durchquert und war rund tausend Meter weit vom Anschuss auf dem übernächsten Feld verendet.

Die Wundwirkung des Teilmantelprojektils war zu gering, schätzt Hubert. Er empfiehlt mir, künftig ein Zweikern-Geschoss zu verwenden. Dem Rat des alten Jägers folge ich nicht zum ersten Mal.

Gewicht 5,15 kg


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