11. 8. 2016   Namibia  
       

Die Farm

umfasst 10.000 Hektar buschiges, zum Teil felsiges Gelände. Die Farmgebäude liegen 1.740 Meter über dem Meeres-spiegel. Der höchste Punkt des Geländes erreicht 1.860 Meter.

Dieses Stück Land ernährt maximal 1.000 Rinder und - geschätzt- mehr als 1.500 Stück jagdbares Wild: vom Stein-böckchen bis zum Eland, vom Schakal bis zum Leoparden. Als direkte Nahrungskonkurrenten der Rinder gelten vor allem die Zebras und einige verwilderte Pferde.

140 Kilometer Rinderzaun sorgen für ein systematisches Abweiden der Grasflächen zwischen Busch und Felsen. Für das Wild sind die meist niedrigen Zäune kein Hindernis. Ich habe gesehen, wie die größte Antilope, ein Eland, einen solchen Zaun locker aus dem Stand übersprungen hat. Die Warzenschweine schlüpfen an zahlreichen, unterminierten Stellen durch.

Die Farm ist knapp an Grundwasser. Acht ganzjährige Wasserstellen sind allein vom Niederschlag abhängig. Regen gibt es meist in Form kurzer, heftiger Gewitter. Nur dann führen die sonst trockenen Flussbette Wasser. Setzt der Niederschlag aus, versiegt das Wasser.

Mein Guide

ist ein Schulfreund unseres Farmers und seit 30 Jahren Berufsjäger. Ob Büffel oder Krokodil, ob Erdmännchen oder Elefant, ob Löwe oder Leopard - kein Game zwischen dem Kap und dem Nil ist ihm fremd. Seine Gäste schießen mit der Büchse, mit dem Compound- oder mit dem Recurve-Bogen. Von den Recurve-Schützen, die er bisher geführt habe, sei allerdings "nur einer" gut gewesen.

Nach zwei, drei Tagen sind wir vertrauter geworden. Er erzählt, dass er neun Monate im Jahr unterwegs ist und keine Familie hat wie die meisten seiner Kollegen. Viele Guides seien geschieden und / oder zu Alkoholikern geworden.

Er schildert Jäger, die "nicht laufen", sondern nur vom Auto aus schießen wollen. Gäste, die die Pirsch versauen, weil sie zu laut sind, nicht knapp hinter ihm bleiben oder gar ausscheren, um einen deckenden Dornbusch zu umgehen.

Mithilfe von Buschmännern habe er "irgendeinen Doktor aus Deutschland" auf den ältesten und größten Elefanten ("vier Meter Schulterhöhe") mit dem dicksten Elfenbein, das er je gesehen habe, geführt.

Der akademische Pedant habe die einmalige Trophäe jedoch verschmäht, weil die Stoßzähne "nicht symmetrisch" gewesen seien.

Der gute Schuss

"Auf Auslandsjagden schieß immer auf´s Blatt" habe ich mehrfach gelesen und gehört und halte mich daran: das Stück bleibt in der Regel im Feuer, du kannst in Ruhe allenfalls einen zweiten Schuss anbringen und ersparst dir eine vielleicht vergebliche, aber teure Nachsuche.

E. belehrt mich eines anderen:

Vor allem Deutsche und Österreicher trügen die Kugel nach der Devise "schieß aufs Blatt" oft "zu hoch" an. Das Resultat sei häufig ein Krellschuss. Das Stück liege im Feuer, komme aber unverhofft auf die Läufe.

Er habe erlebt, wie ein junger Engländer von einem gekrellten Büffel auf die Hörner genommen worden, am Bein aufgeschlitzt und an der zerrissenenen Schlagader verblutet sei.

In der Tat kann aufgrund der tiefen Lage der Wirbelsäule bei Antilopen / bei Büffeln ein hoher Blattschuss lediglich die langen Dornfortsätze verletzen, wie die Grafik zeigt:

E. empfiehlt daher einen Schuss an die gedachte obere Linie des unteren Drittels der Breitseite knapp hinter dem Lauf, also einen Herz-Lungen-Schuss.

Ich habe meist höher angehalten und die Wirbelsäule getroffen. Die Stücke lagen folglich im Feuer. E. forderte mich jedes Mal auf, einen zweiten Schuss - je nach Lage auf den Stich oder in den Rücken - zu setzen.

Beim Zebra war ein zweiter Schuss auf jeden Fall überflüssig: der diagonale Schuss durch die Kammer hat große Zerstörungswirkung und verkürzt Fluchten eher als ein gerader Durchschuss.

Beim Hegeabschuss auf den schwachen Oryx hingegen habe ich mich genau an die Empfehlung von E. gehalten:

Der Oryx stob davon, überquerte einen Damm und war außer Sicht. An der Anschussstelle kein Schweiss. Der Hund des Farmers faselte. Ich fand das Stück selbst. Es war mit diesem Schuss rund 80 Meter geflüchtet. Auch ein Damhirsch mit einem Herzschuss ist mir einst so weit gegangen.




Jägersprache
Rifle Information Page
OÖ Jagdverband

HOME  COME IN
GARDEN  ARTICLES
 

Im vergangenen Herbst haben G. und ich eine Jagdreise nach Namibia vereinbart. Im Februar sind wir mit einer Jagdfarm handelseins geworden, die sich in dritter Generation im Besitz einer deutschen Familie befindet. Für G. war es der fünfte Aufenthalt in diesem Land, für mich der erste.

In sechs Jagdtagen habe ich einen Oryx, einen Großen Kudu, ein Hartebeest, ein Warzenschwein, ein Bergzebra, ein Weißwedelgnu, einen Schakal und zwei Paviane erlegt. Der Kudu wurde in Silber bewertet, alle anderen Tropäen in Gold. Als zehntes Stück verbuche ich einen zweiten, schwachen Oryx, vom Farmer frei gegeben als Hegeabschuss. G. war ähnlich erfolgreich und hat u. a. den angestrebten kapitalen Eland-Bullen gestreckt.

Zu danken war dieser Jagderfolg dem Wildreichtum und der excellenten Pirschführung 1:1 durch den Farmer und seinen Freund, den Berufsjäger E.

Am langwierigsten und spannendsten für mich waren die Pirsch auf den Hartebeest-Bullen und die Pirsch auf das Bergzebra. Von der Zebra-Pirsch will ich berichten.

***

Am Nachmittag des Tages, an dem ich den Hartebeest-Bullen nach dreistündiger Pirsch erlegt habe, folgen wir einer Koppel Zebras vorsichtig zu Fuß über zwei Täler und Hügel, verlieren sie jedoch und kehren bei Einbruch der Dämmerung zum Landcruiser zurück.

Am nächsten Morgen fahren wir wieder hoch in die von den Zebras bevorzugte felsige Region. Den Bestand dieser Wildart auf seinem Land schätzt unser Farmer auf rund fünfzig Stück. Nach mehrmaliger Ausschau erspähen wir in etwa 700 Meter Entfernung eine Koppel, möglicher Weise dieselbe, die wir gestern verfolgt haben. Die Koppel besteht aus mindestens sieben Stück, das ist jedenfalls die Zahl, die wir zwischen Buschwerk und Felsen erkennen.

Eine unbeobachtete Annäherung ist nahezu unmöglich. Wir pirschen von erhöhter Stelle herunter auf gleiche Sichtebene mit den Zebras und finden im kargen Busch kaum Deckung. Wir bewegen uns sehr langsam und kommen auf etwa 300 Meter heran. Jetzt sieht ein Tier unverwandt in unsere Richtung. Wir rühren uns nicht. Nach einigen Minuten ziehen die Zebras ohne Eile ab.

E. glast ihnen lange nach und scheint zu überlegen, wohin sie ziehen. Er kennt das Gelände der Farm gut. Ohne ein Wort zu sagen nimmt er die Pirsch wieder auf. Ich folge ihm wie in den letzten Tagen eng auf dem Fuß, das Gewehr mit dem Lauf nach hinten geschultert ("ich will keinen Schuss in den Rücken, wenn du stolperst").

Weiter rechts tauchen die Zebras wieder auf und scheinen sich in das vor uns liegende Tal abzusetzen. Wir halten erneut inne. Reglos beobachten wir die Koppel. Als das letzte Tier verschwunden ist, steigen wir durch Geröll, Sand und Buschwerk weiter vorsichtig ab.

E. deutet wortlos an, dass die Koppel auf den gegenüberliegenden Hang gezogen ist. Bevor wir das dazwischen liegende Tal überqueren, glasen wir lange um sicher zu gehen, dass wir dabei nicht beobachtet werden.

Wir halten uns weit links, entgegen der Richtung, in der E. die Koppel vermutet. Erst als wir am Fuß des Hangs angelangt sind, wenden wir uns aufsteigend nach rechts. Der Wind steht gut.

Nachdem wir etwa die Mitte der Höhe gewonnen haben, hebt E. die Hand zum Halt. Er geht einige Schritte voraus und äugt um einen Felsen. Dann winkt er und wir setzen unseren Weg bergauf behutsam fort. Etwa dreißig Minuten später liegt die nackte, felsige Kuppe des Hügels vor uns. Erneut bedeutet mir E. zu warten. Geduckt geht er vor und glast nach unten.

Er winkt und stellt das Dreibein auf. Unterhalb des Plateaus in etwa 100 Meter Entfernung stehen auf einer Felsplatte einige Zebras. Zwei Stück im Schatten eines Dornstrauchs kehren uns die Hinterhand zu. E. flüstert mir zu, den jüngeren der beiden Hengste ins Visier zu nehmen. Er steht etwas schräg und wird teilweise verdeckt von einem schmalen Fahlstrauch. Durch eine Lücke im Strauch kann ich hinter das linke Blatt schießen.

Der Hengst zeichnet, macht einige Schritte nach rechts, zittert, steht. Die ganze Koppel erstarrt und beobachtet ihn. Der Hengst taumelt zurück zum Strauch, fällt und liegt still. Die Zebras flüchten nicht. Zögernd nähert sich der Leithengst dem erlegten Stück und beschnuppert es.

Wir ziehen uns geräuschlos zurück. Nach einigen Minuten, die wir stumm, reglos und außer Sicht verbringen, stößt E. die Warnlaute eines Pavians aus. Wir vernehmen Hufe auf den Felsen unter uns. Als wir uns vorsichtig vorschieben sehen wir, dass die Zebras abgezogen sind.

Die Kugel sitzt wie angetragen, ist jedoch nicht ausgetreten. Aus dem Einschuss hat der Hengst stark geschweißt und die weichen Nüstern sind bedeckt mit rosarotem hellem Schaum.

E. macht sich auf den Weg zum Auto. Da das länger dauern wird und wir nicht sicher sind, ob er überhaupt einen befahrbaren Weg hier herauf findet, beschatte ich den Hengst mit abgebrochenen Zweigen von den Fahlsträuchern unterhalb der Felsplatten.

Nach einer knappen Stunde höre ich Motorengeräusch aus der Richtung, in der die Zebras die Platte verlassen haben. Der Landcruiser kommt im Schritt näher. Er scheint geradezu Steigeisen zu haben und schafft es auf die Anhöhe.

E. macht ein Foto, dann verladen wir den Hengst mithilfe der elektrischen Winde. Das Stahlseil wird dabei von der Front des Wagens auf Rollen über die Ladefläche zur Rückseite des Fahrzeugs geführt. Über das Rundstahlgitter der herabgelassenen Rampe wird das Wild vorsichtig hochgezogen. Dann klappen wir die Rampe hoch und schließen sie.

In einem steilen Slalom durch Buschwerk und über kopfgroßes Geröll wackelt und krabbelt der Landcruiser ins Tal.

 

Horrido!