5. 8. 2007   Strohballen  
       

Sommerlektüre 2007 - beim Ansitz und im Urlaub gelesen



Cormac McCarthy, Die Straße

Ein Vater zieht mit seinem Buben auf einer Straße durch die atomar verbrannten USA nach Süden. Die im nuklearen Halbdunkel liegende Landschaft ist mit Asche bedeckt. Keine Pflanzen, keine Tiere. Es regnet oder schneit die meiste Zeit. In Geisterstädten und verlassenen Landhäusern suchen sie nach Konserven, die sie in einem shopping cart durch die Asche karren. Einmal entdecken sie einen unbenutzten Atombunker, genießen einige Tage Luxus, können sogar ein Bad nehmen. Sie flüchten vor bärtigen Männern, die Überlebende jagen und als Essvorrat in einen Keller sperren. Der Vater tötet einen von ihnen mit dem vorletzten Schuss aus seinem Revolver. Licht in diese aussichtslose Düsternis bringt nur die liebevolle Sorge füreinander.


Håkan Nesser, Die Fliege und die Ewigkeit

Vierzehn Jahre hat der Mörder Leon Delmas im Gefängnis verbracht. Im Zuge seiner Rehabilitation hat er einen neuen Namen erhalten, lebt seit fünfzehn Jahren in Freiheit und arbeitet als Bibliothekar in einer Provinzstadt. Aus der Zeitung erfährt er vom Tod seines berühmt gewordenen Studienkollegen. Dessen Witwe überbringt ihm als testamentarische Verfügung eine seltsame Einladung. Der Mord vor dreißig Jahren erscheint danach auch Delmas in einem neuen Licht.


Dick Francis, Verrechnet / Scherben / Zügellos

In den solid gebauten Geschichten des ehemaligen Jockeys Francis spielen Pferde immer eine Rolle. Drei Krimis in bester britischer Tradition. Leichte Kost, perfekt serviert.


Rudolf Habringer, Alles wird gut

Die mehr oder weniger verstörten Männer in diesen Geschichten geniessen die Liebe nicht, sie erleiden sie. Zum Teil berührend, zum Teil bizarr.


Harry Mathews, Mein Leben als CIA

Als CIA-Agent verdächtigt, ist Mathews der vergeblichen Dementis müde und beginnt sich wie ein Agent zu verhalten. Das beschert ihm letztlich lebensgefährliche Verwicklungen. - Ein autobiographischer Roman, als "Chronik des Jahres 1973" angeboten. Die realen Vorgänge sind mit einem für den Leser unbestimmbaren Maß an fiction verschränkt - Mathews ist ein experimenteller Schriftsteller. Amüsant, verblüffend. Heiter-surreale Sexszenen.


Robert van Gulik, Richter Di bei der Arbeit und andere Titel

Vor vielen Jahren hab ich die kulturkundigen Krimis dieses Sinologen und Diplomaten erstmals und mit Vergnügen gelesen. Richter Di löst stets zwei bis drei Fälle gleichzeitig - wie die Teams in der C.S.I.-Serie. Er arbeitet weniger mit Beweisen als mit phänomenaler Intuition. Das erleichtert dem Autor die Aufrechterhaltung von Spannung, weil der Leser die Lösung aus den kargen Beweiselementen oft bis zum Schluss kaum selbst kombinieren kann. Das Originelle und Interessante an diesen Stories ist der Einblick, den sie gewähren, in eine verfeinerte Kultur, die Jahrtausende alt ist und fremdartig erscheint. Die handelnden Personen sind dennoch vertraut: die Interessen, Leidenschaften und Charaktere der Menschen sind überall und zu allen Zeiten gleich.



Im übrigen

komme ich im Urlaub auch zu extensiver Zeitungslektüre. Sich eingehender als sonst über das Geschehen in Politik und Gesellschaft zu informieren ist allerdings kein Rezept für gute Laune.































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[Bakonysarkany] Die Trophäe sei nicht stark, aber "alt" sei der Bock, hat Laci beim ersten Versuch, ihn anzupirschen, behauptet. "Sechs Jahre", sagt nun auch Zoltan, als er nähertritt und sich zu uns herunter beugt.

Im Juni war ich das erste Mal auf diesen Bock aus. Sechs bis sieben Mal bin ich seither allein oder in Begleitung um seinen Einstand herumgepirscht. Auf Distanz hab ich ihn dreimal flüchtig zu Gesicht bekommen. Keine Chance auf einen sicheren Schuss. Heute war es soweit.

"Drei Jahre" widerspreche ich Zoltan nüchtern. Der Bock hat ein schmales, graues, alt und mürrisch wirkendes Gesicht. Die Stangen freilich haben an der Basis wenig Masse. Ich prüfe mit dem Daumen die Kunden. Sie fühlen sich scharf an. Zoltan wiegt den Kopf. "Mindestens vier Jahre" tritt er einen Teilrückzug an.

Zoltan zerzupft eine gelbe Schafgarbe, schiebt den Stengel in den Äser des Bocks, streicht mit dem Rest der Staude über den Ausschuss und überreicht mir den Schützenbruch. In Ungarn kann dazu jedes Gewächs dienen.

Auch der letzte Bissen des Bocks, den ich auf die Minute vor 24 Stunden erlegt habe, ist eine Schafgarbe gewesen.

DAS war ein stolzer, alter Herr! 650 Gramm. Die Preisrichter in Tatabanya haben ihm am 5. 11. 2007 nach der CIC-Formel 127,3 Punkte gegeben: Silbermedaille. Auf Gold fehlen 2,7 Punkte. - Wie er zur Strecke gekommen ist?

Der eben gefällte Bock hat sich auch gestern morgen weder blicken noch anlocken lassen. Wir waren im Begriff, in einen anderen Revierteil aufzubrechen. Getrappel! Wir fahren herum. Hinter uns fegen zwei Rehe übers Feld. Ein kapitaler Bock stürmt hinter einer Geiß her und verschwindet mit ihr in der Dickung, die die Felder trennt.

Der Wind verbietet ein Anpirschen von unserem Standort aus. Wir umschlagen die Dickung weiträumig und nähern uns vorsichtig von der anderen Seite. Hinter einem Strohballen beziehen wir Position.

0520 Uhr. Ich mache mich schussbereit. Zoltan beginnt zu blatten. Nach der dritten oder vierten Serie steht der Kapitale plötzlich da. Keine fünfzig Meter. Ich muss ihn spitz nehmen, bevor er Verdacht schöpft.

Der Ausschuss liegt links im hinteren Brustbereich. Nicht der geringste Wildbretschaden. Meine Freude über den unerwarteten, rundum stimmigen Erfolg ist groß.

Heute sind wir den "Sechsjährigen" erneut angegangen. Als wir den Einstand im Durchgang queren, knackt es rechts im Gesträuch. Zoltan ist vor mir. Langsam führt er das Glas an die Augen. Sieht etwas, was ich nicht sehen kann, winkt. In Zeitlupe mache ich drei Schritte in seine Richtung und glase ebenfalls durch die lockeren Zweige eines Strauchs am Rand der Dickung.

Sehr nahe steht ein Reh, das in die Büsche verhofft. Ich kann nur die Hinterläufe sehen. Ich strecke mich nach links, der Trägeransatz rückt ins Bild. Geiß oder Bock? Bevor ich mir darüber klar werden kann, kracht es im Gesträuch und das Reh fährt in die Dickung ab. Es muß der Bock gewesen sein, der die flüchtige Geiß verfolgt.

Die Situation gleicht der vor 24 Stunden. In Zeichensprache schlage ich Zoltan daher dieselbe Taktik vor. Er zögert, nickt dann jedoch und geht zurück zum Wagen. Ich hocke mich nieder, verkürze den Aluminium-Zielstock und behalte den Rand schussbereit im Auge, falls der Bock wieder auf dieser Seite herauskommen sollte.

Er tut es nicht. Zoltans Nissan blubbert hinter mir. Ich steige zu. Minuten später rücken wir auf dem Stoppelfeld wie gestern vor. Wir peilen lediglich einen entfernteren Strohballen an, weil wir die Rehe weiter oben vermuten.

Kaum haben wir den Ballen erreicht, brechen Geiß und Bock etwa hundert Meter vor uns aus der Dickung, rasen ins Feld, schlagen einen Bogen, kehren zurück und springen wieder ins Gesträuch.

Zoltan beginnt zu blatten. Es rührt sich nichts. Zoltan blattet unverdrossen. Da schiebt sich der Bock aus dem krautigen Unterwuchs und äugt in unsere Richtung.

Er steht etwas weiter weg als gestern, an die siebzig Meter. Auf den Schuss zeichnet er schwer, wankt zurück ins Kraut. Es wogt rhytmisch einige Sekunden. Dann Stille.

Blattschuss links. Im unteren Teil des Trägers rechts eine etwa acht Zentimeter lange Narbe. Der rechte Hauptspross ist abgebrochen. Zeichen einer heftigen Auseinandersetzung mit einem anderen Bock. Hat er gegen den Kapitalen mit den hohen Stangen den kürzeren gezogen? Oder...

Gestern Abend hat der Schafhirte an meine Tür geklopft und mir das halbverweste Haupt eines Gablers gebracht mit einer ebenfalls abgebrochenen Ecke. Soweit ich seine Gesten verstanden habe, hat er den Kadaver in diesem Revierteil gefunden. Hat der "Sechsjährige" den Jüngling zu Tode geforkelt?

Wer weiß. Der Gabler kann aus vielen möglichen Ursachen verendet sein. Zoltan schließt aus, dass er beschossen wurde. Ich nicht. Über die Wirksamkeit von Vorschriften ohne Kontrolle habe ich keine Illusionen.

 

Horrido!