27. 06. 2015   Mit dem Traktor  
       

Das elektronische Buch ist eine Erfindung für Jäger. Ich benutze den Kindle von AMAZON. Flach und leicht passt er locker in die Tasche des Jagdrocks und ist mein Begleiter bei jedem Ansitz.

Unbegrenztes Lesevergnügen unter allen Lichtverhältnissen. Das Blickfeld muss ja nicht ununterbrochen abgesucht werden, am wenigsten im vertrauten Revier.

In B. habe ich "H is for Hawk" von Helen Macdonald ausgelesen. In diesem Buch geht es um die Zähmung eines Habichtsweibchens namens Mabel für die Beizjagd.

Im Mittelpunkt stehen die Motive der Autorin, die sich in einer psychischen Krise zu diesem Unternehmen entschließt, ihre Gedanken und Gefühle.

Breiten Raum nimmt die Auseinandersetzung mit einem Autor namens T. H. White ein.

White hat Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts einen offenbar dilettantischen Abrichtungsversuch mit einem Habicht aus Deutschland durchgeführt und seine Aufzeichnungen darüber später veröffentlicht.

Für meinen Geschmack ist "H is for Hawk" zu überladen mit selbstgestrickter Psychologie. Der Leser erfährt mehr über die Probleme der Autorin als über den Habicht, der nicht zuletzt ein Objekt ihrer Projektionen ist.

Schilderungen von Beizjagden und Sätze wie "As the hawk became tamer I was growing wilder" machen das Buch dennoch lesenswert.

Die Autorin hat dafür einen Preis bekommen: "Helen Macdonald has tonight, Tuesday 4 November, been announced the winner of the 2014 Samuel Johnson Prize for Non-Fiction, for her book H is For Hawk, published by Jonathan Cape."


***


Die Waffen des Keilers



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(Ungarn) Am Horizont bewegt sich etwas Dunkles, dort, wo die Spuren des Traktors scheinbar zusammenlaufen. Im Glas sehe ich --- ein Reh? --- Nein. Ein Schmaltier. Die Entfernung hat mich getäuscht.

Zu weit für einen sicheren Schuss. --- Kommt es näher? --- Nein. Es zieht parallel zur Kanzel nach rechts. --- Doch! Es schlägt einen Winkel und hält auf die mit Schilf und Gehölz besetzte Zunge zu, die rechts von der Kanzel in das riesige Feld ragt.

Entfernung nun etwa 150 Meter. Ich gehe in den Anschlag. Das Schmaltier steht nicht breit genug für einen sauberen Kammerschuss. Da es bummelt und sich einmal nach rechts, dann nach links wendet, kann der passende Augenblick aber nicht lange ausbleiben. Plötzlich wirft es auf und blickt über die Schulter zurück.

Etwa hundert Meter hinter ihm queren zwei Stück Kahlwild in langen Sätzen das Feld und streben auf die bewaldete Kuppe zu. Mein Schmaltier lässt sich von ihrer Hast anstecken, winkelt ab, hetzt auf der kürzest möglichen Strecke zur Deckung und taucht mit einem Sprung ein.

Ich stelle das Gewehr ab. Vielleicht zieht es nach einiger Zeit wieder aus. --- Vergeblich. Es ist schon fast sieben Uhr. Ich baume ab, streife durch den hüfthohen Mais zum Pick-up und fahre zurück ins Jagdhaus. F. hat schon Kaffee gemacht. Dann packen wir zusammen. Der Jagdausflug ist zu Ende.

In B. vergehen die Tage rasch.

Die erste Nacht bei diesem Aufenthalt verbringe ich in der Kanzel, die C. empfohlen hat. Trotz klaren Himmels versinken ab 23 Uhr Feld und Wald in Dunkelheit - die Mondbahn ist flach. Bis drei Uhr früh zähle ich - zwischendurch dösend - sieben nicht schussbare Rehe. Dann lösen sich zwei große dunkle Flecken vom Rand des hochgewachsenen Schilfs. Sie bewegen sich, gehen zeitweise ineinander über und trennen sich wieder. Bevor es hell genug ist für einen verantwortbaren Schuss, verschwinden die Sauen in der Gerste.

Am Abend sitze ich erneut dort an. Ein Schmalreh tritt aus und zieht bald wieder ein. Fünf Damhirsche im Bast erscheinen. Sie sind unterschiedlichen Alters, vom einjährigen Spießer über den Löffler bis zum kapitalen Schaufler. Fast eine Stunde lang verweilen und äsen sie in etwa 50 - bis 70 Meter Entfernung.

In der Dämmerung verblassen die Farben. Der Abendstern geht auf. Plötzlich halten die Hirsche inne und starren in die Dickung. Wie auf Kommando werfen sie sich geschlossen herum und flüchten in die Gegenrichtung - eine dunkel wogende Welle im hellen Meer der Gerste.

Ein Keiler betritt die Szene. Er steht breit. Ich zaudere nicht.

---

Das Mündungsfeuer hat mich geblendet. Hinter den Halmen der Gerste glaube ich im Zielfernrohr das Zucken eines Hammers zu sehen. Er schlägelt. --- Ist still. --- Ich gehe aus dem Anschlag und überzeuge mich durch das Glas. Ja. Keine Nachsuche im Schilf. Ich rufe F. an. Er hat bereits abgebaumt und ist mit dem Pick-up auf dem Weg mich abzuholen. Den Schuss hat er im Motorengeräusch nicht gehört.

Statt uns damit zu plagen, den Keiler auf den Pick-up zu hieven - aufgebrochen wiegt er etwa 80 kg - fährt F. zum Jagdhaus und kehrt eine halbe Stunde später mit dem Traktor zurück. Bei der Rückfahrt stehe ich auf der Transportpalette hinter dem Keiler und werde auf den holprigen Feldwegen ordentlich durchgeschüttelt.

Bis zu einem Aufbruchgewicht von etwa 50 kg sind Keiler für Menschen genießbar. Die schwereren werden zu Tierfutter verarbeitet. Das Stück bleibt auf der Palette, bis C. es am Morgen abholt.

 

Horrido!