Zielen

Viele Momente des Ablaufs habe ich mir nach und nach bewusst gemacht. Ich habe mit ihnen experimentiert, Veränderungen eingeübt und ritualisiert. Nur beim Zielen habe ich die längste Zeit auf den "Instinkt" vertraut, also darauf, dass Auge, Bogenhand und Ziel zueinander finden, ohne dass Bewußtsein sich dazwischen schaltet. Das hat bewirkt, dass ich nach vollendetem Auszug meist unmittelbar gelöst habe.

Mit der allmählichen Verbesserung aller anderen Phasen bin ich leidlich vorangekommen, aber nun stagniert mein Treffer-Niveau:

Aus der Distanz von zwanzig Metern mit jedem von sechs in Serie geschossenen Pfeilen in einem Kreis von zwanzig Zentimetern Durchmesser zu bleiben gelingt mir immer noch nicht. Bei dieser Entfernung schwankt meine Trefferquote zwischen 25 - 50 Prozent, ganz selten nur liegt sie darüber. Noch nie habe ich 100 Prozent erreicht.

Auf der Suche nach Verbesserungspotentialen ist das Zielen übrig geblieben. Seit einigen Wochen übe ich mich darin, zwischen Ankern und Ablass bewusst zu zielen, um konsistenter zu treffen.

Dabei kämpfe ich hartnäckig damit, überhaupt innezuhalten. Immer wieder geht mir ein Schuss zu rasch und "instinktiv" ab. Wenn ich dabei den gewünschten Punkt nicht treffe, weiß ich nie, warum - woher auch, wenn ich "instinktiv", also unter Ausschaltung des Bewußtseins ziele?

Erleichternd für das Innehalten zwischen Ankern und Lösen als Voraussetzung zum konzentrierten Zielen empfinde ich vor allem den tiefen Griff in die Sehne, den Kontakt zwischen Zugfinger und Jochbein beim Ankern und die Zusammenführung der Schulterblätter. Sind diese Signale zufriedenstellend, konzentriere ich mich auf die bewusste Ausrichtung von Auge, Bogenhand und Ziel.

Wenn ein Pfeil ausserhalb des Zielkreises landet, weiß ich jetzt meist warum: ich habe die Bogenhand beim Auszug bewegt und sie danach nicht wieder genau in den Zielpunkt gedrückt; sie war nicht hoch / nicht tief genug; der Ellbogen der Bogenhand war nicht ruhig; das Gewicht zwischen den Zugfingern war nicht richtig austariert oder ich habe gar mehrere Fehler kumuliert...



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Eine Pause nach dem Aufziehen erleichtert das kontrollierte Ausliefern des Queues und sorgt für die notwendige Konzentration. Vergleichbar ist diese Bewegungspause mit dem Bogenschießen

Rolf Kalb

Beim Snooker ist es im Unterschied zur Lehre vom "instinktiven" Bogenschießen - eine Lehre mit sehr missverständlicher Ausdrucksweise - völlig selbstverständlich, dass die spontane, die "instinktive" Augen-Hand-Koordination für präzises Treffen aus unterschiedlichen Lagen nicht genügt. Um Präzision unter wechselnden Perspektiven und Entfernungen zu erreichen, ist diese Koordination bewusst zu trainieren:

You have to train your brain over time to develop a feel for the correct line of aim

BillardHQ

Das Zielen beim Snooker ist aufgrund des erforderlichen Winkel- und Positionsspiels freilich anspruchsvoller als beim Bogenschießen. Nur bei den Profis aus dem Snooker-Zirkus sieht das leicht aus.


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