COME IN  GARDEN  ARTICLES  HOME AMS - GmbH / Notiz 6
Epilog und Ausblick

Roman Obrovski



Der jüngste politische Vorstoß gegen die derzeitige Rechts- und Organisationsform des AMS ist versandet. Diese Atempause sollte das AMS nutzen.


 
 

Stop

Ob die Sozialpartner allein diesem Vorstoß standgehalten hätten, ist fraglich: sie haben gegenüber früheren Jahren politisches Gewicht verloren und waren in Sachen Föderalismus überwiegend, aber nicht durchgängig einer Meinung. Der Angriff der Zentralisten ist vielmehr an der geschlossenen Front der Länder zum Stillstand gekommen.

Jetzt heißt es, dass die Länder Mitspracherecht im AMS erhalten sollen. Die Landesgeschäftsführer sollen aus den Landesdirektorien ausscheiden, die Länder an ihrer Stelle einziehen.

Taktischer Positionswechsel

Die Beteiligung der Länder wird die Direktorien in starke, föderale Organe für Arbeitsmarktpolitik verwandeln. Die LGF werden in erster Linie diesem Gremium verantwortlich sein.

Manche Entscheidungsträger ändern nun ihre Haltung: haben sie bisher das Ausscheiden der LGF aus den Direktorien gefordert, vertreten sie plötzlich das Gegenteil. Dieser Positionswechsel ist nur auf den ersten Blick verblüffend.

Als Mitglieder der Direktorien nehmen die LGF neben ihren operativen Aufgaben auch die Rolle von Koordinatoren zwischen Bund und Land wahr. Verlieren sie diese Funktion in den neuen, erstarkten Landesdirektorien, wird der Einfluss des Bundes auf die Länder-AMS schwächer.

Diese Aussicht scheint nur wenige Entscheidungsträger auf Bundesebene und nicht alle SozialpartnervertreterInnen zu enthusiasmieren. Sie ziehen den status quo daher einer unerwünschten Änderung vor.

Chance

So geht das Tauziehen um das AMS weiter. Der Machtkampf zwischen zentripetalen und föderalen Kräften wird vorderhand nur zurückhaltend und verdeckt geführt. Beteiligt an diesem Kampf sind immer auch Interessen, die auf die Umfunktionierung, Filetierung oder Zerschlagung des AMS zielen. Ob und in welchen Änderungen dieses Gezerre sich in nächster Zeit niederschlagen wird ist schwer zu sagen.

Die gegenwärtige Situation scheint eher vergleichbar mit einem Bündel an Vektoren, die in unterschiedliche, zum Teil gegensätzliche Richtungen streben. Die Resultante ist ein politisches Patt. Massive Eingriffe in das Unternehmen scheinen aufgrund dieser Lage nicht unmittelbar bevorzustehen.

Diese Atempause erleichtert es den Führungskräften im AMS, die Professionalisierung der Dienste konzentriert voranzutreiben. Das hat aufgrund der veränderten arbeitsmarktpolitischen Rahmenbedingungen ohnehin höchste Priorität.

Die Arbeitslosigkeit nimmt zu, die personellen und finanziellen Ressourcen des AMS bleiben knapp. Unter diesen Umständen wird es nicht leichter werden, die Kundenzufriedenheit zu steigern und die Geschäftsstellen des AMS bei Betrieben und Arbeitsuchenden als regionale Kompetenzzentren bei arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen zu profilieren.

Strategie

Die beste Bestandsgarantie für das AMS aus der Interessenlage seiner MitarbeiterInnen ist der Rückhalt des AMS bei Betrieben und Arbeitsuchenden. Die Anstrengungen aller MitarbeiterInnen müssen mehr denn je darauf gerichtet sein, Betriebe und Arbeitsuchende bestmöglich zu bedienen.

Politischen Rückhalt aus eigener Kraft kann das AMS durch erfolgreiche Kooperationen mit regionalen Interessenträgern gewinnen. AMS-Aktivitäten laufend mit relevanten regionalen Kräften zu vernetzen ist eine zentrale, persönliche Aufgabe der GeschäftsstellenleiterInnen.

Fortschritte

Die personelle Integration von Leistungs- und Serviceagenden in den Servicezonen ist eine epochale Veränderung. Wir machen damit den one-stop-shop für einen beträchtlichen Teil der Arbeitsuchenden vom Schlagwort zur Realität. Die gewonnenen Synergien können wir zur Verstärkung des Service für Unternehmen nutzen, ohne den Personalstand zu erhöhen. Die Fortschritte einzelner RGSn in OÖ bei der Umsetzung dieser Strategie sind ermutigend.

Die Landesgeschäftsstelle des AMS OÖ forciert diesen Prozess und löst mit 1. Dezember 2001 nach einjähriger, keineswegs friktionsfreier Vorbereitung die bisherigen Abteilungen BVS und SVl auf.

Die insgesamt gleichbleibenden personellen Ressourcen gehen in den neuen, prozessorientierten Einheiten "Service für Arbeitsuchende" (inklusive Leistungsagenden) und "Service für Unternehmen" (inklusive Ausländerangelegenheiten) auf. Das Service für Unternehmen wird dabei zu Lasten des Service für Versicherungsleistungen personell verstärkt.

Integriertes Managementsystem

Vorstand und Landesgeschäftsführer haben bei der EFQM-Klausurtagung am 16. November 2001 die Weichen für mehr Ergebnis- und Prozessorientierung und für weniger Umständlichkeit und Zerstreuung bei der Weiterentwicklung des Managementsystems gestellt. Das ist m. E. eine ausgezeichnete Grundlage zur Erhöhung von Wirksamkeit und Effizienz unserer knappen Ressourcen im Dienst unserer Kunden.

Die Ausrichtung des AMS auf seine wichtigsten Geschäftsprozesse mithilfe einer umfassenden, ergebnisorientierten Unternehmenssteuerung ("Balanced Scorecard") wird uns helfen, die wendige Flotte unserer Geschäftsstellen auch in kommenden Stürmen auf Kurs zu halten - was immer die Politik uns bescheren mag.



24. November 2001



Brief an Christoph Leitl - 6. 10. 2000
AMS GmbH / Notiz 1 - 3. 2. 2001
AMS GmbH / Notiz 2 - 10. 2. 2001
AMS GmbH / Notiz 3 - 25. 3. 2001
AMS GmbH / Notiz 4 - 8. 4. 2001
AMS GmbH / Notiz 5 - 29. 8. 2001

 
 
COME IN  GARDEN  ARTICLES  HOME

r.obrovski@aon.at

Hosted by geocities